dann bin ich auf meinem Boot!!!
Ich sitze im Frankfurter Flughafen am Gate B61, ganz allein, und bin müde.
So habe ich Ruhe und Muße, mir, durch schwere Lider schauend, die Worte zu diesem Post zu notieren.
Meine Gedanken schweifen umher.
Entgegen Julians gestriger Vermutung, interessiert sich bei den Fluglinien und hier niemand dafür, dass heute mein (46.) Geburtstag ist.
Es ist der bisher wichtigste Tag eines schon viele Jahre langen Weges, hin zu weniger Ärger, mehr Freiheit, einem 2./ neuen Lebensabschnitt.
Ein Weg aus Verzicht und Einfachheit, der Konzentration auf das Wesentliche.
Die meisten meiner Projekte sind abgeschlossen oder bedürfen meiner Einflussnahme nicht mehr.
Die erhebliche Dauer von bis zu 12 Jahren, die Fülle der Verantwortung und die damit einhergehenden Tätigkeitsunterschiede, waren sehr belastend.
Nur noch ein Projekt! Es liegt noch immer beim Amt. Auch hierzu habe ich zum wiederholten Mal weitere Unterlagen, Abweichungsanträge etc. eingereicht.
2 drohende Gerichtsverfahren sind zunächst und hoffentlich abschließend abgewendet.
Viel Verantwortung und Arbeit sind bereits abgegeben.
Das Haus, inzwischen viel zu groß für uns 2, wird (hoffentlich) bald verkauft sein.
Mein Kopf fühlt sich jedoch nur manchmal leichter an.
Zeit für ein Sabbatical.
Muss Burnout behandelt werden?
"Croix du Sud" liegt noch immer in Le Marin auf Martinique, ist - auch nach Bestätigung des Gutachters - tatsächlich in vieler Hinsicht in (fast) neuwertigem Zustand, und hat eine (relativ) überkomplette Ausstattung.
Wir kauft man ein so großes Gebrauchtboot in Frankreich?
Wie auch immer, am 23.03. sind alle Unterlagen zu den Kaufverträgen (1 Exemplar in Englisch, 1 Exemplar in Französisch) von beiden Seiten unterschrieben. Die Finanzierung steht am 27.03.2018.
Das Boot gehört der Bank :-(, aber ich bin nun der Besitzer :-)
Ich will das Boot nun natürlich so schnell wie möglich in Rostock haben, damit wir darauf den Sommer in der Ostsee verbringen können und es so, unbewusst, auch vor IRMA zu retten.
Ich nehme mir vor, den im März formulierten Zeitplan unbedingt zu realisieren. Am Telefon hört man dann auch oft, wie Pierres Kopf raucht. Aber er lässt es sich verbal kaum anmerken, lediglich zu Ostern muss ich Ihn zusätzlich motivieren, noch den einen und anderen Stempel bezüglich Ausflaggung und Nachweis der gezahlten EU-Mehrwertsteuer rechtzeitig zu besorgen.
Der (vermeintlich) einfachste und sinnvollste Weg, das Boot nach Hause zu bekommen:
Ich segel es selbst zurück nach Europa, sammle dabei gleichzeitig alle notwendigen Erfahrungen und lerne das Boot bestmöglich kennen.
Damit bauen sich neue Fragen und Befürchtungen vor mir auf:
Werden die Papiere zum Eigentumsnachweis und für die Versicherung rechtzeitig bei mir sein?
Die Post, welche mich nicht mehr in Deutschland erreichen kann, lasse ich direkt nach Martinique senden. Aber wird sie mir dort auch zuverlässig zugehen?
Habe ich, bei allen bisherigen (auch psychischen) Belastungen, genug Energie, die Strecke(n) durchzustehen? Schließlich ist das meine erste längere Segeletappe, um nicht gleich das Wort "Atlantiküberquerung" zu verwenden, überhaupt. Noch nie bin ich über Nacht und alleine gesegelt.
Aber ich habe mich sehr umfassend informiert, mich gewissenhaft vorbereitet, für sämtliche möglichen Sicherheiten (life belt, Personal Locator Beacon, aktives AIS, EPIRB) gesorgt.
Ich nehme meine Ängste ernst, analysiere und akzeptiere sie und bin Ihnen dankbar. Sie sind die Grundlagen für gesunde Vorsicht und rechtzeitiges, überlegtes Handeln.
Warum will ich das Boot allein, Einhand, nach Hause segeln?
Die Verantwortung für weitere Besatzungsmitglieder ist mir für den ersten Törn zu groß. Ich werde sicher bereits meine ganze Kraft und Aufmerksamkeit, vielleicht sogar noch mehr, benötigen, um mich und das Boot "save and sound" nach Hause zu bringen und während dessen umfassend zu verstehen.
Ich würde es mir nicht verzeihen, wenn, auch ohne mein Verschulden, der Crew etwas zustoßen würde. Ich als Skipper, habe grundsätzlich und gerade bei einer ersten Atlantiküberquerung, stets die Verantwortung für alles. Wir nennen diesen Zustand US1 (Universalschuldiger 1).
Das war die letzten Jahre im Berufsalltag schon täglich der Fall.
Daher nutze ich diese Gelegenheit, darauf zu verzichten, sehr gern.
So bin ich deutlich entspannter, was für die Überführung sicher sinnvoller ist.
Ich bin, trotz allen Geschehnissen der letzten Jahren, noch immer Optimist. Alles wird klappen!
Und so sollte ich es als gutes Zeichen werten, dass ich schon heute, an meinem Geburtstag, beim Boot sein werde.
Es werden bestimmt schöne Segeltage. Sicher bin ich in ca. 4-6 Wochen wieder zu Hause ....
Ich wache auf.
Wo bin ich?
Welcher Tag ist heute?
Kommt alles so, wie es kommen sollte?
Ein sehr gutes Jahr später: Das Haus ist wirklich verkauft und bald geht es für euch los!! 😊😊
AntwortenLöschen