Meine Gesichtshaut wird zunehmend faltig. Auch meine Körperhaltung bedarf jetzt hin und wieder einer bewussten Korrektur. Lediglich der Bauch lehnt bisher eine deutliche Wölbung ab, was wohl auf den Gluten-Verzicht zurückzuführen ist.
Aber der Kopf hat Hunger, verlangt nach frischen Bildern und weiteren Entscheidungsgrundlagen.
Man müsste mal die Helia mit der Leopard 45 vergleichen. Wie schwimmt sich eine Bavaria OPEN 40 neben der nun erscheinenden 46 dar? Käme vielleicht die neue FP 40 ebenso in Betracht? Sind die Lagoon 42 und 45 Modelle (weil so schön gemütlich) eventuell doch etwas für uns?
Ich schenke mir und uns ein Wochenende in La Grande Motte.
The International Multihull Boat Show/ Le Salon International du Multicoque ist eine jährliche Segel-Katamaranmesse an der schönen Mittelmeerküste in architektonisch interessanter Umgebung. Eine Retortenstadt mit dem Flair der 70er und sichtbar ästhetischen Ansprüchen.
Wer sich in Europa einen vollumfänglichen Eindruck vom Markt verschaffen und die verschiedenen Modelle der Hersteller direkt vergleichen möchte, muss hier hin.
Nach unser Ankunft deutlich nach Mitternacht (, die Straßen in der Camargue sind sooo dunkel,) haben wir nur eine kurze Schlafphase und treffen morgens deutlich vor Eröffnung an der Messe ein.
So sind wir, nach dem sinnlosen Gespräch mit einem Torqueedo-Vertreter (die sind paradoxer Weise nicht auf der Höhe der Zeit und Nachfrage), die Ersten bei Fountain Pajot, schauen im Geiste noch mal kurz auf die Helia 44 und dann zum Vergleich direkt auf die hier liegende FP 40.
Danach gehts zur Leopard 40 und 45. Dann zur Bavaria/ Nautitech OPEN 46.
Alle sehr schön, modern, wohnlich. Viel Platz, viel Ausstattung.
Tolle Küchen.
Aber auch schwer, kompliziert, teilweise wenig ergonomisch und schwierig zu warten.
So findet man
- ungeschützte Steuerstände, weit außen (nur für Regatten sinnvoll)
- tiefe Frontcockpits (Wieviel Wasser passt dort hinein?)
- deutlich zu niedrige Brückendeckfreiheit(en) - „Viel Lärm um Nichts“ bei jeder etwas größeren Welle
- hinten offene Cockpits (gut für einsteigende Wellen und zum Herausspülen/-fallen)
- viel zu kurze Vorschiffe/ Netze (starkes Stampfen wegen zu viel Gewicht im Bug, zu viel/ langsam ablaufendes Wasser)
- Flybridges (auf Segelbooten!) - sind auf See völlig ungeeignet und unsicher (sehr schwieriger Zugang zum Großbaum/ Großsegel, hier sind die Schiffsbewegungen unnötig stark, am wenigsten Witterungsschutz, lange Wege, unnötig hoher Gewichtsschwer- und Segeldruckpunkt)
- Balsaholz als Sandwichkern unterhalb der Wasserlinie (Balsa ist saugt Wasser auf wie ein Schwamm und ist relativ feuchtigkeitsempfindlich, womit also nicht das kleinste Leck entstehen darf. Was soll das?!)
- feste Stummelschwerter (unnötiger Tiefgang, Wasserwiderstand, welcher auf Kursen vor dem Wind und bei schwerer See nicht gebraucht wird, relativ schlechte Amwindeignung).
Zudem fährt man bei all diesen Modellen unnötig viel Komfort und Ausstattung (3 Bäder, Möbeloberflächen etc.) spazieren, welche man nicht einmal mit Gästen an Bord vollumfänglich benötigen würde.
Es fehlen aus unserer Sicht ausreichende Sicherheit und Einfachheit.
Offensichtlich wird hier nur für Charterfirmen und Wochenendsegler gebaut. Komfort geht über alles.
Alle Modelle sind also relativ schwer, damit, gerade für kleine Crews, im Handling schwieriger sowie auch langsamer.
Und viel zu teuer. Noch hoffe ich auf die bald fallenden Preise für gebrauchte Modelle :-))) :-(.
Aber „sicher“ kann man auf diesen Booten sehr gut wohnen. Solange man im Hafen oder an einem ruhigen Ankerplatz ist.
Die Realität sieht anders aus - siehe YouTube, etliche Blogs und eigene Erfahrungen.
Die Lagoons schauen wir uns dann gar nicht erst nochmals an (zu schwer, zu klobig).
Ebenso kommen Catana, Privilége, Outremer, Xquisite etc. nicht in Betracht.
Viel zu teuer, unnötiger Luxus, meistens deutlich zu groß … absolut abwegige Preise.
So kommen wir keinen Deut weiter. Der Sinn dieses Ausflugs wird nicht klar.
Also erst einmal Pause.
Die Einheimischen sind so erzogen, dass sie brav und pünktlichst zu bestimmten Tageszeiten Ihre Mahlzeiten bekommen (Auch arme Deutsche brauchen in Frankreich "zwischendurch" nirgends auf sättigende Mahlzeiten hoffen.). So stehen lange Schlangen vor dem Essenspavillion. Alles Franzosen und anpassungsbereite Amerikaner.
Wir begnügen uns daher mit petit Kaffee sowie Schär-Hörnchen und beschließen, danach noch gemütlich über die Stege zu spazieren, das eine oder andere Boot zu besichtigen und dann die Rückreise anzutreten.
Sicher kommt die Klarheit dann mit der Distanz.
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