Papá (und das kommt mir spanisch vor) steht mit einem Delphin auf dem Hof.
Er (der Delphin) liegt festgeschnallt auf dem Autoanhänger, hat jedoch noch Körperspannung.
Seine Haut ist ganz grau und auf der Oberseite blau.
Er rührt sich nicht und blickt traurig drein.
Wir (mein Bruder und ich) freuen uns trotzdem über einen echten Delphin.
Es handelt sich um einen Luxusgegenstand im realen Sozialismus.
Für 5 Delphine bekommt man einen Trabant Kombi.
Er besteht aus einem Spantengerüst, einer Haut samt Verdeck und beidseitigen Luftschläuchen, welche für ausreichend Spannung der Bootshaut sowie Reserveauftrieb sorgen.
Ein Faltboot mit 140cm Breite und 390cm Länge namens Delphin 140, komplett zerlegbar.
Der Gummiholzkahn ist multifunktional nutzbar und damit im heutigen Sinne nachhaltig.
Als Motorboot. Als Ruderboot. Als Segelboot.
Letzteres ist für uns am reizvollsten.
Die gewaltigen 7,5qm Segelfläche lassen jeden Segler von Freiheit und Unabhängigkeit träumen.
Zumindest auf den vielen Binnenseen. Wir träumen meistens auf dem Plauer See.
Das Großsegel lässt sich (auch nur zum Reffen) auf den (Groß)Baum rollen, wenn sich während dessen nicht ein Finger am Lümmelbeschlag verklemmt.
Die, für die Bauart typische, Elastizität des Rumpfes führt bei Krängung zu (mit Ausreitbemühungen teilweise trimmbaren) Rumpfverwindungen, welche manchmal perfekte Strömungsabrisse am Heckspiegel hervorrufen.
Davon können Festrumpfboote nur träumen.
Die Bootshaut vibriert, deutlich hörbar, in direkter Abhängigkeit von der Bootsgeschwindigkeit.
Eine Logge ist damit obsolet und außerdem kommt es gar nicht erst zu Bewuchs im Unterwasserschiff, wenn das Boot bis zu seinem Ende eine Mindestgeschwindigkeit hält.
Zweimal schlafen wir, mein Vater, mein Bruder und ich, sogar auf dem Boot. Samt Essensversorgung und Kulturbeutel.
Wie soll das gehen?
Das frage ich mich heute (2018) auch. Da war sogar das Nächtigen auf "Tilse", Jahre später, angenehmer.
Einmal kentern wir. Die Sitzkissen schwimmen über den See.
Ein Brettsegler schleppt uns ans Ufer. Eine einschneidende Erfahrung.
1 Jahr später lerne ich Windsurfen.
Die Begeisterung für das Boot ist besonders meinerseits so groß, dass ich es oft, nur zum Spaß und füttern der Sehnsucht, einfach so auf dem Grundstück aufbaue, die Segel setze und mich daran erfreue.
Irgendwann, ich bin wohl 16 Jahre alt, gelingt mir der Aufbau in ca. 30 Minuten, ohne fremde Hilfe.
So kann ich mich jedes Mal schneller ins Boot setzen und bin stolz auf mich.
Ein Ergebnis von jahrelang trainiertem Leistungsanspruch?
Wir haben mit diesem Boot viele schöne Jahre und aufregende Erlebnisse.
Meine Liebe zur Freiheit und der Fortbewegung auf dem Wasser ist geboren.
Die Dankbarkeit gegenüber meinem Vater, der dies alles ermöglichte, hält bis heute an.
Während des Abiturs bin ich dann nur noch 2 oder 3 mal mit Freunden zum Segeln auf dem Boot.
Doch nie ist Wind.
Danke für den Schock am Anfang... Ein Dephin?!?!?! ;)
AntwortenLöschenWar jedenfalls sehr schön zu lesen (mit den vielen Plot-Twists) und sehr interessant:)